Berufsbild Heilpraktiker

Das Berufsbild des Heilpraktikers – 
Motivation, Beruf, Ausbildung, rechtliche Seite

Die Heilkunde laut Heilpraktikergesetz (Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung vom 17. Februar 1939) ist jede beruf- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung, Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden beim Menschen, auch wenn sie im Dienste von Anderen ausgeübt wird. D.h., sobald eine Diagnose gestellt oder gezielt eine Krankheit oder ein Leiden behandelt oder auch nur gelindert wird, ist das die Ausübung der Heilkunde. Wer die Heilkunde ausüben möchte, ohne Arzt oder Psychotherapeut zu sein, braucht eine Zulassung.

Die Zulassung zur Überprüfung ist an folgende Voraussetzungen gebunden:

  • Vollendung des 25. Lebensjahres
  • Mindestens Hauptschulabschluss (wird durch das Schulzeugnis nachgewiesen)
  • Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses (schwere strafrechtliche Verfehlungen, besonders sittliche Verfehlungen, schließen die Zulassung aus)
  • Vorlage eines Gesundheitszeugnisses (dauerhaft ansteckende Krankheiten, Suchtleiden, Krankheiten, die die Eignung zum Heilpraktikerberuf einschränken, stellen z. B. ein Hindernis dar)
  • Bei ausländischen Mitbürgern muss eine gültige Aufenthaltserlaubnis vorliegen.

Amtsärztliche Überprüfung

Gemäß dem Heilpraktikergesetz unterzieht sich der Heilpraktiker-Anwärter einer Überprüfung durch den Amtsarzt beim Gesundheitsamt.
Prüfende Behörden sind die staatlichen Gesundheitsämter, zumeist zentral für ein Bundesland oder für einen Regierungsbezirk. Ist die Zulassung erteilt, gilt sie für das gesamte Bundesgebiet.
Welches Gesundheitsamt die Überprüfung vornimmt, bestimmt sich entweder vom Wohnsitz des Antragsstellers oder – evtl. abweichend – vom Ort der beabsichtigten Niederlassung.
Die Anmeldung zur Überprüfung erfolgt entweder beim Gesundheitsamt oder bei der unteren Verwaltungsbehörde am Wohnsitz des Antragstellers. (Das ist entweder das Landratsamt oder – bei großen Kreisstädten – die Stadtverwaltung bzw. die staatliche Polizeibehörde).
Die Prüfungskommission besteht in der Regel aus dem Amtsarzt, einem/r Protokollanten/in und einem oder mehreren Heilpraktiker/innen, die den Status von Beisitzern innehaben.
Bei Nicht-Bestehen kann die Überprüfung mehrmals wiederholt werden.
Prüfungsbedingungen und-ablauf sind noch nicht bundeseinheitlich geregelt. In der Regel findet zunächst eine schriftliche Multiple-Choice-Prüfung statt, bei der 75% der Fragen richtig beantwortet werden müssen. Bei bestandener schriftlicher Prüfung werden die Anwärter/innen danach zur mündlichen Prüfung ins Gesundheitsamt eingeladen.

Prüfungsinhalte

Laut Gesetz soll durch die amtsärztliche Überprüfung sichergestellt werden, dass von dem Anwärter kein “Schaden für die Volksgesundheit” ausgehen wird.
Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren stetig angestiegen; die Prüfungen sind mittlerweile sehr anspruchsvoll.

Die Prüfungsanforderungen umfassen heute in der Regel:

  • Berufs- und Gesetzeskunde; die rechtlichen Grenzen der Berufsausübung des Heilpraktikers
  • Grenzen und Gefahren diagnostischer und therapeutischer Methoden des Heilpraktikers
  • Grundkenntnisse in Anatomie, pathologischer Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie
  • Grundkenntnisse in der allgemeinen Krankheitslehre, Erkennen und Unterscheiden von Volkskrankheiten (Stoffwechsel-, der Herz-Kreislauf-, degenerative und übertragbare Erkrankungen, bösartige Neubildungen und seelische Erkrankungen)
  • Erkennen und Versorgen akuter Notfälle und lebensbedrohlicher Zustände
  • Technik der Anamneseerhebung und Methoden der unmittelbaren Krankenuntersuchung (Inspektion, Palpation, Perkussion, Auskultation, neurologischer Befund, Puls- und Blutdruckmessung)
  • Praxishygiene, Desinfektion und Sterilisation
  • Injektions- und Punktionstechniken
  • Deutung grundlegender Laborwerte
  • Pflanzenheilkunde und Ausleitungsverfahren

Nach Bestehen der amtsärztlichen Überprüfung erhält man die Erlaubnisurkunde von der Verwaltungsbehörde.

!! Je nach dem individuellen Ausbildungsweg schließt sich aber an dieser Stelle noch eine mehr oder weniger lange Ausbildungsphase an, in der der Heilpraktiker das Wissen über naturheilkundliche Methoden erwerben bzw. vertiefen kann !!

Es gibt viele hundert Therapieverfahren, die ein Heilpraktiker anwenden kann, darunter viele gängige Verfahren, aber auch „Exoten“. Keine Fortbildungsstätte kann alle Möglichkeiten unterrichten.
Das ist auch der Grund, weshalb die meisten Heilpraktikerschulen den Anwärter in erster Linie das theoretische und praktische Wissen für die amtsärztliche Überprüfung vermitteln und zusätzlich auch verschiedene naturheilkundliche Therapiemöglichkeiten vorstellen oder Kurse anbieten, damit der HP-Antwärter für sich gut informiert entscheiden kann, in welchen Bereichen er sich dann fortbilden möchte.

In der Regel wird die theoretische und schulmedizinische Ausbildung „vorgeschaltet“ und die naturheilkundliche Ausbildung danach absolviert.

Manche Absolventen, wie z.B. Physiotherapeuten oder Manualtherapeuten, beherrschen ihr Gebiet bereits vorher schon und möchten nun die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, um noch eigenständiger damit zu arbeiten.

Mit bestandener Prüfung ist die Ausbildung also noch nicht vorbei. Die Länge der folgenden Ausbildung(en) richtet sich nach dem Themengebiet, auf das sich der angehende Heilpraktiker spezialisieren möchte.

Wie geht es dann weiter?

Nicht Jeder, der eine Heilpraktikerausbildung absolviert hat, macht sich dann auch mit einer klassischen Heilpraktikerpraxis selbstständig. Die Motivationen, Hintergründe, Zukunftspläne sind vielfältig.

Ein Teil der Schüler kommt bereits aus einem medizischen Beruf und möchte den Bereich ihres des therapeutischen Arbeitens rechtlich und themenmäßig erweitern.

Andere haben durch häusliche Krankenpflege oder durch eine vorhergegangene eigenechronische Krankheit Kontakt mit der Natur- bzw. Alternativheilkunde bekommen und möchten sich fortbilden und ihre Erfahrungen weitergeben.
Ein weiterer Teil arbeitet eigentlich im Wellnessbereich, möchte aber in Grenzfällen „sattelfest“ und rechtlich abgesichert sein. Gerade im Wellnessbereich ist die Grenze zwischen Entspannung und therapeutischem Arbeiten oft sehr schwamming und nicht klar absteckbar.
Auch Angehöriger anderer Berufsgruppen, wie z.B. Büroangestellte, die mit medizinischer Fachterminologie zu tun haben, besuchen Heilpraktikerschulen, um Texte, Arztberichte, Beschwerdebilder besser zu verstehen und einzuordnen.
Geistiges Heilen unterliegt nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 2. März 2004 nicht der Pflicht zur Zulassung als Heilpraktiker. Viele sorgfältige und gewissenhafte Geistheiler entschließen sich trotzdem, eine Heilpraktikerausbildung zu absolvieren, um sich mit dem Thema Gesundheit und Krankheit wirklich ganzheitlich auszukennen, um Notfälle und schwere Krankheiten zu erkennen und auch um ihre therapeutischen Grenzen besser nachvollziehen zu können.
Andere Personen wiederum sind – zum Teil schon sehr lange – fasziniert von Medizin und Heilkunde. Manchmal machen sie so eine Ausbildung aus Interesse, ohne genau sicher zu sein, was an Fortbildungen danach folgen soll.
Und natürlich möchte ein Teil der Schüler einen neuen Beruf erlernen, den sie dann auch miteigener Praxis ausüben möchten.
Die beruflichen Chancen für Heilpraktiker mit eigener Praxis sind generell sehr gut. Das Interesse an Naturheilverfahren wächst, viele chronisch kranke Menschen suchen nach Alternativen.
Sehr wichtig für die berufliche Zukunft ist immer die eigene Ausbildung, im medizinischen wie auch im naturheilkundlichen Bereich. Nur wer seiner Tätigkeit gewissenhaft, sorgfältig und gut ausgebildet nachgeht, wird dauerhaft Erfolg haben.

Falls Sie noch Fragen zum Thema „Ausübung der Heilkunde“ haben oder ein Gespräch zu Ihrer persönlichen Situation/ Motivation haben, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

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